Die Besonderheiten der englischen Sprache: Ergebnis der Multikulturalität?

In Antwort auf die Frage, warum das Englische die Deklination nach Geschlecht meidet, möchte ich auf die Hypothese einiger Sprachhistoriker verweisen. Hierfür begeben wir uns nun auf eine Zeitreise in das „finstere“ Mittelalter, das zwar von großem Analphabetismus geprägt war, gleichzeitig aber die Geburtsstunde des modernen Europa mit all seinen Sprachen, Gemeinschaften und Identitäten darstellt.

Die große Insel nordwestlich des europäischen Festlands war das Ziel zahlreicher Emigranten, die unter anderem aus dem heutigen Deutschland und Skandinavien stammten. Zuerst kamen die Sachsen und Angeln, gefolgt von den Jüten und Dänen. Entgegen ihres Rufs als blutrünstige Gesellen waren die meisten Wikinger aber Bauern, und keine Plünderer. All diese Völker mit ihren germanischen Sprachen mussten sich nun zusammenraufen: Sie betrieben Handel miteinander, vermischten sich durch Heirat, mussten also kommunizieren.

Mit der Zeit verwandelte diese Kommunikation zwischen den verschiedenen Sprachgruppen die Flexionen, radierte Unterschiede beim sprachlichen Geschlecht aus und erklärte den Kasus eines Worts für mehr oder minder unbedeutend. Aus Sicht der Historiker wurde Großbritannien am Ende der Geburtsort einer germanischen Sprache, die dank ihrer eher unkomplizierten Grammatik Wörter anderer Sprachen leicht übernimmt und grammatikalischer Heterogenität großzügig gegenübersteht. Kurz: eine Sprache, die für unsere globalisierte Welt geradezu perfekt ist.