April, der Monat der Stressbewältigung

von Colin Rae; aus dem Englischen von Manuel Baer

„April ist der grausamste Monat …“ – so beginnt das bekannte Gedicht „Das wüste Land“ von T. S. Eliot. Da der April gerade anbricht, möchte ich hier beleuchten, was uns in diesem Monat erwartet und warum das Thema Stress uns alle betrifft.

Stress und seine Folgen

Das ist kein Aprilscherz: Stress ist heutzutage eines der größten Gesundheitsrisiken, er kann zum Beispiel die Anfälligkeit für Herzleiden erhöhen oder Diabeteserkrankungen verschlimmern. Und er ist sogar schlecht für die Wirtschaft: Laut aktuellen Studien kosten stressbedingte Krankheiten und Arbeitsausfälle Milliarden. Ich werde an dieser Stelle keine Heilmittel gegen Stress aufzählen, denn was mir gut tut, muss Ihnen noch lange nicht helfen. Eines ist aber klar: Mit Stress ist nicht zu spaßen.

Colin Rae

Weltgesundheitstag am 7. April

Da ich weiter oben von Diabetes sprach: Im April findet außerdem der Weltgesundheitstag statt, der sich dieses Jahr auf den Kampf gegen die Stoffwechselkrankheit konzentriert, an der weltweit rund 350 Millionen Menschen leiden. Neben besseren Methoden zum Umgang mit Diabetes Typ 1, dessen genaue Ursachen unbekannt sind, wird der Fokus auch auf Diabetes Typ 2 liegen. Dieser Krankheitstyp ist weitestgehend vermeidbar – ähnlich wie bei der Stressbewältigung muss man dazu jedoch bereit sein, die eigenen Lebensgewohnheiten zu ändern. Es gibt auch einen Diabetes Typ 3, der die Schwierigkeiten der Menschen beschreibt, die Diabetespatienten pflegen.

Die Kategorien

Stress und Diabetes sind zwar zwei grundverschiedene Dinge, weisen in meinen Augen aber einige Parallelen auf. Denn auch Stress lässt sich in drei Gruppen einteilen: Typ 1 tritt einfach umständehalber auf, Typ 2 ist der Stress, den man selbst verursacht, und Typ 3 beschreibt, wie man andere durch seine Reaktion auf Stress in Mitleidenschaft zieht. Man könnte diese Variante daher auch als Passivstress bezeichnen. Die Analogie zum Passivrauchen ist sicherlich kein Zufall – im Büro zu rauchen, ist heute praktisch undenkbar und die meisten Raucher haben ein schlechtes Gefühl dabei, ihren Mitmenschen möglicherweise durch ihre Angewohnheit zu schaden. Wie stark mein Stresslevel meine Kollegen beeinträchtigen kann, war mir dagegen gar nicht bewusst.

Photo Credit: Jordan Whitfield

(Größtenteils) selbst verursachter Stress

Objektiv betrachtet verursache ich „meinen“ Stress zumindest teilweise selbst (Typ 2). Das hängt vermutlich damit zusammen, Stress für normal zu halten und sich deshalb letztlich selbst unter Druck zu setzen. Ich kann Stress als Antrieb nutzen und dadurch produktiv sein. Ich würde sogar sagen, dass ich manchmal unter Stress „glücklicher“, also am leistungsfähigsten bin. Egal, ob Stress nun positiv oder negativ wirkt, muss ich aber darauf achten, wie mein Verhalten andere beeinflusst.

Geteiltes Leid ist doppeltes Leid

Angenommen, ein Kollege am Tisch neben Ihnen hat ein Computerproblem. Wahrscheinlich hören Sie seinen Frust, z. B. dass er auf den Tisch schlägt oder flucht, oder sehen, dass er aufsteht und aufgewühlt hin- und herläuft. Auf jeden Fall bemerken Sie seine Reaktion. Sie zieht Ihre Aufmerksamkeit auf sich und lenkt Sie von Ihrer Arbeit ab. Je nachdem, wie empathisch Sie sind, springt fremder Frust auf Sie über und löst bei Ihnen Stress aus ‒ das ist Stress Typ 3.

Passivstress kann aber auch deutlich subtiler entstehen als im vorigen Szenario. Ich bin beispielsweise ein notorischer Seufzer. Ich weiß nicht, woher ich diese Angewohnheit habe, und es fällt mir auch selbst gar nicht auf. Das größte Problem ist aber, dass ich selbst dann seufze, wenn ich gar nicht gestresst oder gereizt bin. Dadurch erwecke ich aber jedes Mal unweigerlich den Eindruck, dass bei mir etwas nicht stimmt – ein Kollege hat mich sogar schon mal unter vier Augen gefragt, was mir denn solchen Kummer bereiten würde. Ob ich also gestresst bin oder nicht, mein Umfeld fühlt mit. Das vervielfacht aber nur den Stress im Büro, womit letztlich niemandem geholfen ist.

Auswege

In den USA steht der April seit 1992 im Zeichen des Stressbewusstseins, in Großbritannien gibt es dagegen einen Aktionstag im November. Das Urteil darüber, ob es in Großbritannien weniger stressig ist oder dort einfach weniger darauf geachtet wird, bleibt dabei jedem selbst überlassen. Nachdem wir aber gerade in den April und damit den Monat des Stressbewusstseins starten, möchte ich Ihnen aber ans Herz legen, in sich zu gehen und zu überlegen, was Stress für Sie bedeutet. Wie reagieren Sie darauf? Werden Sie aufbrausend, beißen sich auf die Faust, jammern, gehen davon, fluchen oder seufzen nur? Achten auch Sie einmal bewusst auf Ihr Stresslevel und wie Sie andere durch Ihr Verhalten beeinflussen …

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