Meine Devise: Auf Anhieb fehlerfrei

Von Holly Mickelson, aus dem Englischen von Wendy Schönberg

Ganz gleich, in welcher Branche man tätig ist – es ist immer besser, von Anfang an einwandfrei zu arbeiten als später nachzubessern. Fehler durch Prävention zu vermeiden: Genau das ist die Philosophie des Null-Fehler-Konzepts, dem sich zahlreiche Unternehmen rund um den Globus verschrieben haben.

Der Ansatz geht auf Philip Crosby zurück, der in den 1960er Jahren als Qualitätssicherungsmanager am Pershing-Raketenprogramm der Martin Marietta Corporation (nun Teil von Lockheed Martin) in Orlando im US-Bundesstaat Florida mitarbeitete. Crosby definierte für seinen Null-Fehler-Standard vier Grundsätze: Qualität bedeutet, Anforderungen zu erfüllen; Fehlervermeidung ist besser als Qualitätsprüfung und Korrektur; der Qualitätsstandard lautet null Fehler und die Maßgröße für Qualität sind die Kosten durch Qualitätsmängel.

Und es funktionierte: Dank seiner Idee sanken die Gesamtausschussquote der Pershing-Rakete um 25 Prozent und die Ausschusskosten um 30 Prozent.

Holly Mickelson

Die Martin Marietta Corporation stellte ihr Null-Fehler-Konzept bereitwillig jedem Unternehmen zur Verfügung, das daran interessiert war. Kurze Zeit später wurde es zum Grundprinzip für die Titan-Raketen, mit denen Astronauten im „Gemini“-Programm der NASA ins All und wieder zurück zur Erde flogen. Gemini umfasste zehn bemannte Missionen, die alle erfolgreich waren – bis heute eine einmalige Meisterleistung in der Geschichte der Raumfahrt.

Das Null-Fehler-Konzept ist jedoch nicht nur der Luft- und Raumfahrt vorbehalten, sondern lässt sich auch auf andere Branchen, Berufsfelder und Situationen übertragen. Es ist kein Programm mit einzelnen Schritten, die man abarbeiten muss: Hier geht es um Voraussicht als Standard.

In meinem Business dreht sich alles um Wörter. Ich schreibe, redigiere und übersetze, um unsere Kunden und ihre Unternehmen zu unterstützen. Auch ich erkenne den Wert des Null-Fehler-Konzepts und versuche, Crosbys vier Grundsätze in meiner eigenen Arbeit umzusetzen.

Zero defects

Qualität bedeutet, Anforderungen zu erfüllen

Vorab kläre ich grundsätzlich einige Fragen: zu den Standards des jeweiligen Kunden, seinen Terminologievorgaben, der Zielgruppe sowie Intention des Texts. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich „nur“ übersetze oder etwas selbst verfasse – diese Fragen sind immer wichtig. Ich möchte den jeweiligen Anforderungen gerecht werden und auf Anhieb einwandfreie Arbeit liefern.

Natürlich ist Qualitätsarbeit auch immer Teamwork. Sie ist ein Produkt mehrerer Köpfe, die mit ihren verschiedenen Kenntnissen und Erfahrungen die Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Zu meinem Job gehört es, mit dem Kunden zusammenzuarbeiten, damit das Endprodukt ganz seinen Anforderungen entspricht.

Fehlervermeidung ist besser als Qualitätsprüfung und Korrektur

Ein Text ist weit mehr als aneinandergereihte Wörter. Ich führe mir die Intention dahinter vor Augen und übertrage sie in den Zieltext für den Kunden. Nur so kann ich einwandfreie Arbeit liefern.

Deshalb überprüfe ich beim Redigieren oder Übersetzen immer, ob der Ausgangstext auch wirklich korrekt ist. Ich löse mich von den einzelnen Wörtern und mogle mich nie einfach über unklare oder mehrdeutige Textstellen hinweg.

Gleichzeitig bin ich stets offen für Fragen und Vorschläge in Bezug auf meine Arbeit. Mein Qualitätsanspruch erlaubt keinen falschen Stolz, wenn ich mit meinen Kollegen oder unseren Kunden Interpretationsmöglichkeiten und Stilfragen diskutiere.

Der Qualitätsstandard lautet null Fehler

Man darf nicht davon ausgehen, dass der Originaltext sämtliche Informationen enthält, die man für ein einwandfreies Ergebnis benötigt. Ich recherchiere, vergleiche mehrere Quellen (mit möglicherweise unterschiedlichen Angaben), prüfe sie auf ihre Zuverlässigkeit und finde die richtigen Ansprechpartner. Fehlende oder falsche Informationen sind klare Mängel, doch was, wenn der Text unhöflich oder herablassend klingt? Wenn ich der Meinung bin, dass der von mir bearbeitete Text nicht genügend Informationen für die Zielgruppe enthält oder den falschen Ton anschlägt, muss ich die Lücken schließen und nachfragen. Fehler im Original darf ich nicht sehenden Auges in den Zieltext übertragen – das widerspricht der Null-Fehler-Philosophie und nützt keinem etwas.

Maßgröße für Qualität sind die Kosten durch Qualitätsmängel

Ungenaue, falsche oder unangemessen präsentierte Informationen können dem Geschäft unserer Kunden schaden. Dieses Risiko muss mir als Redakteur und Übersetzer bewusst sein. Der finanzielle Verlust durch solche Texte ist jedoch nicht immer offenkundig oder einfach kalkulierbar. Eines ist aber klar: Werden wichtige Informationen falsch übersetzt oder redigiert, sind die Folgekosten meistens weitaus höher als die direkten Kosten. Dies ist z. B. bei Pressemitteilungen, Finanzberichten und Hochglanz-Imagebroschüren der Fall.

Das Null-Fehler-Konzept ist ein anerkanntes Managementtool, mit dem durch Prävention weniger Fehler auftreten sollen. Ich teile diese Philosophie voll und ganz und setze alles daran, auf Anhieb einwandfreie Arbeit zu liefern. Davon hängt mein berufliches Ansehen ab.

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