BVIW unterstützt junge Talente der Theaterakademie August Everding

Von Richard Peters, aus dem Englischen von Carola Geimer

Schauspieler und Opernsänger haben eine ähnliche Aufgabe wie Übersetzer und Dolmetscher: Sie füllen die Ideen, die Autoren bzw. Librettisten zu Papier gebracht haben, auf der Bühne mit Leben – und als Übersetzer verleihe ich den Ideen eines Autors ebenfalls eine Bedeutung, und zwar in der Sprache meiner Leser.

Es ist für Burton, Van Iersel & Whitney also eigentlich naheliegend, sich für die Theaterakademie August Everding zu engagieren, Deutschlands größte Ausbildungsstätte für Bühnenberufe, die in Münchens wunderschönem Prinzregententheater beheimatet ist.

Richard Peters

Ein architektonisches Juwel im Herzen Münchens

Das beeindruckende Gebäude, das 1901 fertiggestellt wurde und sowohl klassizistische als auch Jugendstilelemente vereint, wurde zwar im Zweiten Weltkrieg nur geringfügig beschädigt, sollte aber dennoch 1964 abgerissen werden. Glücklicherweise konnten eine Bürgerinitiative sowie die finanzielle Unterstützung durch Gertrud Proebst, die Tochter des Architekten Max Littmann, den Abriss verhindern. Nach einer ersten Renovierung 1985 wurde das Theater 1988 wiedereröffnet. Eine umfassende Renovierung wurde 1996 abgeschlossen.

Die von BVIW gesponserte Theaterakademie ist nach August Everding benannt, einem einflussreichen deutschen Opernintendanten, der 1999 verstorben ist. Everding wurde 1982 Generalintendant des Prinzregententheaters und engagierte sich sehr für die Wiedereröffnung des Theaters. Die Einrichtung einer Theaterakademie für Bühnenberufe war seine Idee, die er in Zusammenarbeit mit vier Münchner Universitäten und den drei Staatstheatern der Stadt am Prinzregententheater in die Tat umsetzte.

Carmen

Eine wohlbekannte Geschichte neu erzählt

Als Sponsoren der Akademie wurden wir kürzlich zur Premiere einer Neubearbeitung von Georges Bizets beliebter Oper „Carmen“ eingeladen. Bei der Uraufführung 1875 in Paris waren die Zuschauer angesichts der unkonventionellen Handlung und kontroversen Hauptfiguren dieses Werks schockiert. Bizet selbst starb kurz darauf und konnte somit nicht mehr erleben, wie seine Carmen noch im gleichen Jahr in Wien gefeiert wurde. Seitdem erfreut sich die Oper weltweit größter Beliebtheit.

Die Studenten der Akademie, die für Regie, Inszenierung und Beleuchtung selbst verantwortlich waren, interpretierten die Carmen-Geschichte ganz neu. Die Opernhandlung wurde immer wieder von Lesungen aus der Erzählung von Prosper Merimée unterbrochen, die Bizet zu seiner Oper inspiriert hatte. Musikalisch begleitet wurden die Aufführung vom Münchner Rundfunkorchester.

Die Vorstellung war genauso unkonventionell wie die Uraufführung vor fast 150 Jahren! Nadia Steinhardt spielte die Titelheldin, Tianji Lin den Don José, Victória Real seine Jugendliebe Micaëla und Elías Benito Arranz den Torero Escamillo. Die jungen Sängerinnen und Sänger erwiesen sich als überaus stimmgewaltig: Nadia Steinhardt überzeugte mit Power, Victória Real zeigte eine enorme emotionale Vielfalt, der hell klingende Tenor von Tianji Lin stand im Kontrast zum sonoren Bariton von Elías Benito Arranz und auch die Nebendarsteller waren herausragend. Die Integration von Lesungen aus der literarischen Vorlage in die Operninszenierung warf ein erfrischend neues Licht auf die wohlbekannte Musik. Dabei wurde auch deutlich, inwieweit Bizet (zusammen mit seinen Librettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy) Teile der Erzählung für seine Oper umgeschrieben hatte.

Ein Zeichen unserer Unterstützung

Vor der Vorstellung konnten wir uns den von uns mitfinanzierten Lkw ansehen, auf dem unser Logo (sowie die Logos anderer Sponsoren) zu sehen ist. Dieser LKW dient dem Transport von Requisiten zwischen der Lagerhalle der Akademie außerhalb der Stadt und dem Theater.

Für BVIW ist es eine ganz neue Erfahrung, auf diese Weise „unterwegs“ zu sein! Ich bin stolz darauf, dass wir ein klein wenig dazu beigetragen haben, dass künstlerisches Talent gefördert und junge Menschen dabei unterstützt werden, ihre Freude auf der Bühne neuen Generationen von Zuschauern näher zu bringen.

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