Behind the value

Was kümmert es mich, wie viel ein Übersetzer verdient?

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Die Frage kam von einem Kunden. Der meinte, unser Angebot für sein 100-seitiges Website-Projekt liege „gut fünfzig Prozent“ über dem Preis, den ihm eine Agentur dafür genannt hatte.

12 bis 15 Euro die Stunde …

Ich überschlug, dass für eine sorgfältig formulierte, zur Online-Veröffentlichung geeignete Übersetzung ins Englische mindestens 100 Arbeitsstunden anzusetzen waren. Nach Abzug des Anteils, den die Agentur einstrich, blieb für deren Übersetzer wohl ein Stundenverdienst von etwa 12 bis 15 Euro übrig. Dass ein Klempner dagegen geradezu fürstlich entlohnt wird, wollte auch mein Kunde nicht bestreiten.

Ich machte ihm klar, dass ein Kollege, dessen Einnahmen unter einen gewissen Mindeststundensatz fallen, nur zwei Möglichkeiten hat: den Auftrag abzulehnen oder schneller zu übersetzen, als es für seine Arbeit gut ist.

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Denn Freiberufler werden nicht nach Stunden bezahlt, sondern nach ihrem Ausstoß an Zeilen, Wörtern oder Seiten.

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… also mindestens zwei Seiten

Der Übersetzer hätte in diesem Fall also einen stündlichen Arbeitsausstoß von mindestens zwei Seiten erreichen müssen. Doch wer so ein Tempo einfordert, setzt die Qualität aufs Spiel, die von einem öffentlichkeitswirksamen Internet-Auftritt erwartet wird. „Es ist Ihr Risiko“; da waren wir uns einig. Unsere eigenen hohen Qualitätsstandards stellte der Kunde nicht in Frage, von denen hatte er sich bei früheren Großaufträgen bereits überzeugt. Er dachte einfach, er könne das anderswo auch billiger bekommen.

Als er dann auf mein Angebot zurückkam, seine Übersetzung wenigstens zu prüfen, war es eigentlich schon zu spät. Die englische Version stand in voller Länge online, und durch die Nachbesserung fiel das Projekt unterm Strich teurer aus, als wenn der Kunde die Kosten gleich richtig gewichtet hätte. Denn für den überarbeiteten und neu übersetzten Text musste er das Ganze ein zweites Mal ins Layout geben – weswegen viele dann lieber alles so lassen, wie es ist.

„Korrektes Englisch ist es aber, oder?“ Diese Einstellung ist dem Image eines Unternehmens nicht gerade förderlich und sichert ihm an seinen Zielmärkten ganz bestimmt kein positives Interesse.

Standardleistung oder Leistungsstandard?

Die landläufige Vorstellung von der standardisierten Übersetzungsleistung, die an austauschbare Einzelkämpfer zu direkt vergleichbaren Tarifen ausgelagert wird, muss korrigiert werden. So ein Modell ist, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, kaum praktikabel, schadet dem Image und reißt nicht zuletzt ins Geld.

Übersetzer haben jeweils unterschiedliche, individuell entwickelte Stärken. Man darf noch mehr von ihnen erwarten als ein Fremdsprachendiplom, oberflächliche Fachkenntnisse und das Wissen, wie man Translation-Memorys bedient.

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Wer etwa eine Pressemitteilung, Marketing-Broschüre, Firmenzeitschrift oder Web-Präsentation übersetzt, braucht deutlich mehr Zeit, Neugier, Hirnschmalz, Bedacht und Sprachgefühl als für eine Bedienungsanleitung oder einen Ersatzteilkatalog.

Schwierige Abgrenzung

Dass Billiganbieter immer wieder nach Kräften versuchen, bei Preis- und Leistungsvergleichen vom zentralen Kriterium der Qualität abzulenken, kann man den Kunden kaum vorwerfen. Dennoch ist gerade dieser Preiskampf das Problem: Je niedriger die Preise, umso schneller müssen Übersetzer ihre Arbeit erledigen, wenn sie sich über Wasser halten wollen. Die meisten arbeiten jedoch freiberuflich und können es sich gar nicht leisten, Aufträge abzulehnen.

Übersetzern ausreichende Einkünfte zuzugestehen, ist zwar noch keine Garantie, schafft aber erheblich bessere Aussichten auf eine sorgfältige, qualitätsbewusste Auftragsbearbeitung.

Allein darum sollte es einen, zumindest in der Unternehmenskommunikation, kümmern, was ein Übersetzer verdient: Man kann sich viel Kummer ersparen.

6 gute Anhaltspunkte beim Vergleich von Übersetzungspreisen

  1. Welche Wirkung soll die Übersetzung erzielen? (Rundschreiben, Werbung, PR)
  2. Wie lassen sich die Einkünfte des Übersetzers aus den Endkundenpreisen errechnen?
  3. Sind Preisnachlässe für den Einsatz von TM-Systemen bei allen Textarten angemessen?
  4. In welchem Verhältnis stehen die Übersetzungskosten zu den Projektkosten insgesamt?
  5. Wer ist für die Qualitätssicherung verantwortlich?
  6. Nachbesserung: Welche Zusatzkosten fallen bei unbefriedigender Übersetzungsqualität an?

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