Made in Germany

Made in Germany

von Manuel Baer

Wer zum Wirtschaftsteil in der Zeitung kein Verhältnis wie der Teufel zum Weihwasser pflegt, hat in den vergangenen Jahren immer wieder davon gelesen: Deutschland ist Exportweltmeister. Nirgendwo sonst auf der Welt ist der Außenhandelsüberschuss so groß wie im Land der Dichter und Denker. Natürlich ist das aber längst nicht alles, schließlich gibt es neben Waren und Dienstleistungen doch etliche weitere deutsche „Exporte“, die sich international großer Beliebtheit erfreuen.

An der Frage nach Deutschlands erfolgreichstem Exportgut dürfte kaum jemand lange knabbern, denn es ist seit jeher der Deutschen liebstes Kind: das Auto. Abgasskandal hin oder her – die deutsche Automobilindustrie hat im Jahr 2017 mit knapp 426 Milliarden Euro so viel wie nie zuvor umgesetzt. Davon macht der Inlandsumsatz nur rund ein Drittel und Exporte dementsprechend knapp zwei Drittel aus.Auf Platz zwei und drei folgen dann Maschinen und chemische Erzeugnisse, die Otto Normalverbraucher allerdings oftmals weniger aufregend findet.

Hyper, hyper

Die Musikwelt hingegen dürfte für viele um einiges interessanter sein. Auch wenn hier nur sporadisch deutsche Künstler zu Weltruhm gelangen, konnten sich doch bereits einige auf internationaler Bühne behaupten, darunter The Scorpions, Rammstein oder Scooter. Letztgenannte Dance-Band etwa war in ihrer mittlerweile 25-jährigen Karriere nämlich nicht nur mit 23 Stücken in den Top Ten der deutschen Singlecharts vertreten, sondern scheint interessanterweise gerade in Großbritannien zahlreiche Fans zu haben: Zwar liegt hier die „Exportleistung“ gegenüber der Autoindustrie deutlich niedriger, aber dafür konnte die Gruppe im Jahr 2008 mit 300.000 verkauften Einheiten ihres 13. Longplayers Jumping all over the World sogar auf Anhieb Madonna von der Spitze der britischen Albumcharts verdrängen.

 

Und das trotz der oftmals belächelten und teilweise sogar verspotteten Texte – man denke nur an Hyper Hyper, Maria (I Like it Loud) oder vor allem How Much is the Fish. Denn besonders für diesen Titel zog der US-Fernsehkomiker Jimmy Fallon die Norddeutschen in der Rubrik „Do Not Play“ seiner Late-Night-Show gehörig durch den Kakao. Auf Fallons süffisante Nachfrage, wie viel der Fisch denn nun gekostet habe, löste Scooter-Frontmann H.P. Baxxter diese bis dahin scheinbar rhetorische Frage postwendend, oder besser gesagt per Videobotschaft, auf: Der Preis habe 3,80 (vermutlich D-Mark, da der Titel 1998 herauskam) betragen und der Fisch lebe seit einer Weile in einem Tierheim auf dem Land, da es ihm im Studio-Aquarium zwischenzeitlich zu laut geworden sei.

Einst en vogue, nun up to date

Und auch auf sprachlicher Ebene gibt es einiges zu berichten. So haben über die Jahrhunderte etwa zahlreiche französische Wörter und Redewendungen ihren Weg in den Sprachgebrauch der Deutschen gefunden, man denke nur an das Bonbon, die Illustrierte oder die Delikatesse. Ab dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich dann allerdings – hélas! – das Englische als stärkster Einfluss auf die deutsche Sprache. Daher sind englischsprachige Fremdwörter heutzutage so verbreitet, dass sie oft selbst dort eingesetzt werden, wo es eigentlich bereits gängige, angemessene deutsche Begriffe gibt. Zum Beispiel dürften die meisten schon einmal von Briefings, Business Lunchs oder Commitments gehört oder gelesen haben, wo es Einweisungen, Geschäftsessen und Zusagen eigentlich genauso getan hätten. Da sich die Reihe wohl praktisch endlos fortführen ließe, setzt der Verein Deutsche Sprache e. V. hier mit einer Liste entsprechender deutschsprachiger Alternativen zum Gegenangriff an.

Trotz allem hat sich das Deutsche aber mitnichten nur diversen Einflüssen von außen gebeugt, sondern sich im Gegenzug auch in anderen Sprachen durchgesetzt.

Wortexporte

So erzählt man sich in Frankreich mitunter auch einen witz oder stößt beim trinquer beispielsweise mit einem schnaps an. Ebenfalls könnte es passieren, dass einer der Gesprächspartner als bloedmann bezeichnet wird, weil er die weltanschauung des anderen nicht teilt – wobei die Wahrscheinlichkeit dafür mit der Menge des konsumierten geistigen Getränks steigen dürfte.
Dabei versucht Frankreich, zumindest im Radioprogramm übermäßigen Einflüssen aus dem Ausland einen Riegel vorzuschieben: Bereits seit 1994 sind Radiosender dort verpflichtet, mindestens 40 Prozent französischsprachige Musik zu senden; mittlerweile kann diese Quote abhängig von der sonstigen Programmgestaltung auf 35 Prozent gesenkt oder auf bis zu 60 Prozent erhöht werden.

 
In den USA ist – wenig überraschend – vor allem der beer garden bestens bekannt, und das nicht nur des goldenen Gerstensafts, sondern auch der gemütlichkeit wegen. Was viele US-Amerikaner jedoch nicht zu wissen scheinen: Auch wenn sie stein allgemein als Synonym für einen Literkrug verwenden, kann der Deutsche damit nicht viel anfangen, zumal etwa auf dem Oktoberfest seit nunmehr über 120 Jahren ausschließlich aus Glaskrügen getrunken wird. Den Steingutkrug, von dem die Amerikaner sich den stein abgeleitet haben, findet man heute neben dem Münchner Starkbierfest allenfalls noch auf kleineren Volksfesten oder in Wirtshäusern.
Und offenbar hat es den Menschen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ganz besonders die Küche aus dem deutschsprachigen Raum angetan, denn wie wäre sonst zu erklären, dass sich pretzel, bratwurst, frankfurter, emmentaler, hamburger oder schnitzel vielerorts größter Beliebtheit erfreuen?
Zudem kann der US-amerikanische Nachwuchs seine Vorschulzeit schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts im kindergarten verbringen, und besonders begabte Sprösslinge schaffen es möglicherweise sogar zum wunderkind. Ihr Pausenbrot transportieren sie oftmals im rucksack, und nach der Schule ist vielleicht auch noch Zeit für eine Runde foosball, wie der Tischkicker in den USA oft genannt wird …

Auf welche kuriosen Lehnwörter, Wortspiele oder sprachlichen Konstrukte sind Sie bisher gestoßen? Wir sind gespannt auf Ihren Kommentar!

 

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